Residencies with Care: Yara Jakobs

Warum hast du dich auf das „Arbeitsstipendium mit Kind“ im Künstlerhaus Lauenburg beworben?

Yara Jakobs: Ich brauchte Zeit und Ruhe, um an meiner aktuellen Novelle zu arbeiten.

Wie war die Residenz für dich?

Yara Jakobs: Verbindend mit den anderen Stipendiat*innen und interessant, Lauenburg und seine Bewohner*innen kennenzulernen. Reizvoll war, dass ich während der Residenz zwischen Lauenburg und Hamburg pendeln konnte (durfte).

Welche weiteren familienfreundlichen Strukturen würdest du dir im Literaturbetrieb wünschen?

Yara Jakobs: Ich wünsche mir, dass Residenzen sich öffnen für eine Pendelabmachung zwischen Wohn- und Stipendium-Ort, gerade für Eltern. Außerdem wäre es toll, wenn ein paar lokale Babysitter*innen ansprechbar wären. Für die Mehrkosten, die durch Reisen und Betreuung entstehen, wünsche ich mir einen Stipendien-Bonus (oder die gesamte Übernahme der Fahrtkosten).

Kannst du ein Buch empfehlen, das sich aus deiner Sicht mit der Vereinbarkeit besonders gut auseinandersetzt?

Yara Jakobs: Ich habe gerade Dem Mond geht es gut von Paulina Czienskowski gelesen. Sie beschreibt nicht nur die innere Zerrissenheit einer Autorin, die Mutter wird, sondern auch Risse, die sich durch eine Familie ziehen, in der die Sorgearbeit über Generationen selbstverständlich bei den Frauen abgeladen war und es keine Sprache für Protest gab. Es ist spannend.

Gibt es etwas, was die Literatur in Bezug auf familienfreundliche Strukturen von der Kunst lernen kann?

Yara Jakobs: Mehr Kinderecken bei Lesungen.

Yara Jakobs war 2025 Literaturstipendiatin des „Nationalen Arbeitsstipendiums mit Kind“ im Künstler:innenhaus Lauenburg. Dieses Stipendium ohne Aufenthaltspflicht vergibt das Künstler:innenhaus seit 2022 an Bewerber:innen mit Kind (0-15 Jahre), die ihren festen Wohnsitz in Deutschland haben. Auf das Arbeitsstipendium können sich Künstler:innen
jährlich wechselnd in den Bereichen Komposition, Literatur und Bildende Kunst ohne Einschränkung des Alters bewerben.

Residencies with Care: Julia Hosse

Warum hast du dich auf das Hamburger Residenzstipendium „Parents in Arts“ beworben?

Julia Hosse: Weil es eine der wenigen Möglichkeiten war, mit meinem Kleinkind solch eine Residenz anzutreten. Im Alltag geht die künstlerische Arbeit neben Brotjob, Selbstständigkeit und vor allem der Care-Arbeit oft unter. Das Aufenthaltsstipendium bot mir die Möglichkeit, mal zwei Wochen am Stück kreativ zu arbeiten, wie ich es in der Intensität im Alltag nie schaffe.

Wie war die Residenz für dich?

Julia Hosse: Sehr gut! Es war total hilfreich, diesen Freiraum zu haben, in dem ich mich auf meine kreative Arbeit konzentrieren kann, statt an Existenzsicherung und Care-Arbeit zu denken.

Woran hast du während der Residenz gearbeitet?

Julia Hosse: Ich habe an einer Graphic Novel über das Verschwinden der Flugpionierin Amelia Earhart weitergeschrieben und gezeichnet. Mein Ziel war es, das Storyboard für das nächste Kapitel fertigzustellen und für dieses Kapitel den richtigen Zeichenstil zu finden. Das habe ich auch geschafft!

Warum sind Stipendien dieser Art wichtig?

Julia Hosse: Weil auch Künstler*innen, die Eltern sind, Freiräume fürs kreative Arbeiten benötigen, ohne ihre Kinder dabei im Stich zu lassen – beziehungsweise: Auch Künstler*innen müssen Kinder haben dürfen. Bei mir hatte das Stipendium auch einen nachhaltigen Nutzen: Kurz nach Ende des Stipendiums kamen meine Zwillinge zur Welt. Nun habe ich noch weniger Zeit, aber ich habe durch das Stipendium eine Grundlage geschaffen, mit der ich in den verstreuten freien Minuten zwischen Stillen, Wäsche waschen und sonstiger Care-Arbeit weiter kreativ arbeiten kann. Meine Sorge ist immer, dass ich die Verbindung zu meinem künstlerischen Selbst durch Müdigkeit und das Vertagen auf später verliere.

Julia Hosse war 2025 Stipendiatin des „Parents in Arts“-Stipendiums der Hamburger Behörde für Kultur und Medien.

Residencies with Care: Clara Umbach

Woran hast du während der Residenz gearbeitet? ?

Clara Umbach: Das Stipendium hat mir ermöglicht in Ruhe und Konzentration den Grundstein für meinen neuen Roman zu legen. Zwei Wochen mögen kurz erscheinen, für Eltern können sie aber einen ungeahnten Luxus an Zeit darstellen, die sonst unmöglich wäre aufzutreiben.

Warum sind Stipendien solcher Art wichtig?

Clara Umbach: Stipendien, die sich gezielt an Menschen in Sorgeverantwortung richten und deren Bedürfnisse mitdenken, sind wichtig, um die Chancengleichheit zu verbessern.

Wie war die Residenz für dich?

Clara Umbach: Die angenehme Umgebung und der wertschätzende Umgang mit uns Stipendiatinnen haben dazu geführt, dass meine Zeit im M1 gleichermaßen erholsam wie produktiv war.

Clara Umbach war 2025 Stipendiatin des „Parents in Arts“-Stipendiums der Hamburger Behörde für Kultur und Medien.

Residencies with Care: Marta Marx

Warum hast du dich auf das Hamburger Residenzstipendium „Parents in Arts“ beworben?

Marta Marx: Ich habe mich beworben, weil dieses Stipendium eine der wenigen Fördermöglichkeiten ist, die die Realität von Eltern ernst nimmt. Als Mutter, die ihr Kind im Wechselmodell betreut, brauche ich verlässliche und zusammenhängende Zeiträume, um konzentriert am Text arbeiten zu können. Ein Ort in Wohnortnähe, zeitlich begrenzt, aber intensiv nutzbar – anderes ist für mich kaum realisierbar. Das Stipendium schafft genau den Rahmen, der mir sonst fehlt: kontinuierliche Schreibzeit, ohne lange Abwesenheiten vom Kind.

Wie war die Residenz für dich?

Marta Marx: Das Schönste war, endlich in meinem eigenen Rhythmus arbeiten, schlafen und essen zu können – etwas, das im Alltag mit Kind und mehreren Lohnverantwortlichkeiten kaum möglich ist und meine Kreativität oft einschränkt. In der Residenz hatte ich zum ersten Mal seit Langem ununterbrochene, konzentrierte Schreibzeit. Die Mischung aus Alleinsein, produktiver Ruhe und dem Austausch mit meiner Mitstipendiatin Clara Umbach war großartig. Wir konnten uns gegenseitig Texte zeigen, Feedback geben und uns im Prozess stärken.Ich habe mehr geschafft, als ich mir vorgenommen hatte, und das hat meinen künstlerischen Selbstwert enorm gestärkt.

Woran hast du während der Residenz gearbeitet?

Marta Marx: Ich habe an meinem ersten Roman gearbeitet, der sich auch mit der (Un-)Vereinbar¬keit von Mutterschaft und künstlerischer Arbeit beschäftigt. Die Protagonistin zieht sich aus ihrem künstlerischen Beruf zurück und kehrt in ihren ursprünglichen Ausbildungsberuf als Gesundheits- und Krankenpflegerin zurück. Dabei untersucht der Text auch die Parallelen zwischen Pflege und Kunst – vor allem ihre prekären Arbeitsbedingungen, die Unsichtbarkeiten und die emotionale Verfügbarkeit, die beide Bereiche verlangen. Während der Residenz konnte ich mich in der Alleinsamkeit intensiv meinen eigenen Erfahrungen in der Pflege widmen, Erinnerungen sortieren und Verbindungen zwischen Care und Kunst herausarbeiten.

Warum sind Stipendien dieser Art wichtig?

Marta Marx: Stipendien spielen eine zentrale Rolle, um Menschen, die einen untypischen Lebens- oder Bildungsweg eingeschlagen haben, die Möglichkeit zu geben, am literarischen Diskurs teilzunehmen. Persönlich habe ich erst nach der Geburt meines Kindes und auf dem dritten Bildungsweg begonnen, Texte zu veröffentlichen – mit Ende dreißig, ohne eine lange Liste eigener Veröffentlichungen, gelte ich gleichzeitig als zu unerfahren und zu „alt“ für die etablierten Erwartungsstrukturen im Kunstbetrieb. Dennoch zeigt meine Erfahrung und auch die Recherche im Rahmen meiner Forschungsarbeit „Förderung von feministischen Stimmen in der Literatur“, dass Menschen mit vielfältigen oder nicht-linearen Lebens- und Bildungswegen wertvolle Perspektiven in die Literatur einbringen können. Sie haben Geschichten zu erzählen, die politisch und gesellschaftlich relevant sind. Stipendien wie diese ermöglichen es, dass diese Stimmen gehört werden. Sie tragen dazu bei, strukturelle Ungleichheiten zu verringern, die Sichtbarkeit marginalisierter Perspektiven zu erhöhen und den Literaturbetrieb insgesamt inklusiver zu gestalten. Sie sind ein wichtiger Baustein, um kreative Vielfalt zu fördern und gesellschaftlich relevante Themen literarisch sichtbar zu machen. Da es weiterhin viele ungehörte Stimmen gibt und Stipendien dieser Art nur begrenzt verfügbar sind, sollte es einen politischen Anreiz geben, auch andere Fördermöglichkeiten gezielt für Menschen mit Kindern, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen sowie für Personen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen, unabhängig von formaler Bildung, zugänglich zu machen.

Marta Marx war 2024 Stipendiatin des „Parents in Arts“-Stipendiums der Hamburger Behörde für Kultur und Medien.