Søndervig, Nordsøvej 137

Das Emblem auf dem kleinen Ofen prangend:
Eichhörnchen im Lorbeerkranz Hinter der
Glasscheibe wärmt uns das Zeichen unserer
Zerstörungslust Hitzewellen schwärmen bis
ins Kinderzimmer aus Wir schwitzen unser
Nachtprogramm: Monströse Flammenzungen
die Flyer des Naturkräfteparks verschlingen
Doch Luftzüge später ist da nur ein Rauschen
Ein Aschefilm mit Voice-Over-Kommentar
Die bevorstehende Trennung von Rücken
und Couch mit leisem Schmatzen unterlegt

Take Care: Dima Sehwail & Sara Ehsan (III)

Liebe Dima,

vor der Jugendsprache und ihren Auswirkungen auf die Literatur habe ich keine Angst. Sprache ist etwas Lebendiges und war schon immer in ständigem Veränderungs- und Anpassungsmodus, wie die Pflanzen, die sich auch an ihre Umgebung anpassen, das Organische an ihr liebe ich sehr. Es ist natürlich Geschmacksache, aber gerade Jugendliche brauchen Sprache als Abgrenzung zu den langweiligen deprimierenden Erwachsenen, die sie nicht werden wollen. Ich kann mich erinnern, dass ich als Jugendliche auch gerne für damalige Zeiten provokative Wörter wie „geil“ benutzt habe, es hatte etwas Anrüchig-Sexuelles, sodass man komisch angeschaut wurde, doch diese Bedeutungsebene ist im heutigen Verständnis völlig verschwunden.

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Same Work But Different: Julia Weber

Hatte deine Mutterschaft einen inhaltlichen Einfluss auf Dein Buch?
Julia Weber: Ja. Die Vermengung ist unter anderem ein Buch über Mutterschaft, auch meine Mutterschaft, aber auch über die Kunst, meine Kunst und wie diese zwei von der Gesellschaft sehr getrennt gehaltenen Angelegenheiten in einem, meinem Leben ihren Platz finden können.

Hatte deine Mutterschaft Einfluss auf die alltägliche Schreibarbeit?
Julia Weber. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, die dahin flossen. In denen ich am Morgen und bei drei Tassen Kaffee darüber nachgedacht habe, was noch passieren könnte. Diese fliessende Zeit im Schreiben gibt es nicht mehr, seit ich Kinder habe. Es gibt das Einteilen. Das Raum schaffen für die Kunst. Das Kinder betreuen und Kinder lieben. Das randvolle, gute Leben.

Was hast du gerade gemacht, als das Paket mit den Belegen eintraf?
Julia Weber: Die Belegexemplare habe ich im Verlag abgeholt, mit meiner Tochter Romy, die zwei ist und auch sehr schnell, sie hat alle anderen Bücher des Verlages aus den Regalen genommen und hineingebissen.

Wenn Dich vor der Kita oder vor der Schule ein anderes Elternteil fragt, worum es in Deinem neuen Buch geht – wie würdest Du es beschreiben?
Julia Weber: Um das Erkämpfen der Weichheit. Um Weiblichkeit. Um Traurigkeit. Um die Augenblicke des Glücks und wie alles das mit der Kunst und dem Mutter- und Menschsein zusammenhängt.

Stehst Du wegen der vermehrter Schreibzeit oder nun kommender Lesungen in der Schuld anderer Familienmitglieder?
Julia Weber: Heinz Helle und ich haben es so legen können, dass mein Buch im Frühling erscheint und seines im Herbst. So kann ich an Lesungen gehen und er bleibt bei den Kindern und er geht dann im Herbst, während ich zu Hause bin. Wenn es sich überschneidet, dann müssen wir organisieren, die Kinder mitnehmen, Eltern oder Freunde anfragen.

Auf welches Stipendium hast Du Dich nicht beworben, weil Du Kinder hast?
Julia Weber: Auf alle, ausser ein Stipendium am LCB am Wannsee, bei dem ich mich sehr willkommen gefühlt habe mit meinen Kindern (meine ältere Tochter Nelly hat manchmal auf Zahnstocher aufgespiesste Melonenstücke ins Büro des LCBs gebracht), und Heinz Helle hat sich bei der Villa Massimo in Rom beworben, dort gehen wir nun von Juli bis September hin.

Der Roman „Die Vermengung“ erschien im April 2022 im Limmat Verlag.

Take Care: Dima Sehwail & Sara Ehsan (II)

Liebe Dima,

du sprichst viele schöne Dinge an wie die Muttersprache, die arabische Musik. Ich habe schon immer Musik aus der ganzen Welt gehört und liebe die traditionelle iranische Musik und glaube, dass meiner Tochter weitergegeben zu haben, obwohl sie die klassisch-europäische Musik lieber hört. Sie findet die Art des Gesangs bei uns lustig und befremdlich, wie ich auch als Kind. Ich hoffe, du wirst weiterhin arabische Musik hören, mit oder ohne Kinder, und ihnen auch arabische Geschichten vorlesen. Sie werden es dir vielleicht danken und es zu schätzen wissen, wenn sie groß sind.

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