Wir haben eine …

… Fehlüberlegung gemacht. Heinz und Ich. Das war noch vor Corona. Und dann hat es sich aber in diese Zeit hinein gelegt. Wir dachten, vielleicht sogar etwas romantisch, dass, wenn beide ihre Kunst machen wollen und sollen, dann teilen wir unseren Tag danach auf. Wir dachten, ja, die Kunst, die brennt in uns, die muss gemacht werden. Und wir sagten, das ist schon einige Jahre her, dass wir uns nicht danach bemessen, mit was wir wie viel Geld verdienen, wer darum wie viel arbeitet und wer weniger verdient und darum mit dem Kind, damals, und den Kindern, heute, sein soll. Wir sagten, es ist egal. Wir sagten, die Hauptsache ist, dass wir die Kunst machen, die wir machen müssen, die in uns sitzt und die herauskommen muss und die uns erst lebendig macht und überhaupt, zu einem vollständigen Menschen. Das dachten wir, und tun wir eigentlich noch immer. Also haben Heinz und ich beschlossen, dass jede und jeder von uns einen halben Tag arbeitet und einen halben Tag mit den Kindern ist. Halber Tag auf einen ganzen Tag gerechnet hiess dann bei uns 8 Stunden. Also eine von 8 bis 16 Uhr und der andere dann von 16 bis 24 Uhr. So machten wir es, was dazu führte, dass wir uns nicht mehr sahen, was dazu führte, dass wir auch nicht mehr redeten, was dazu führte, dass wir müde waren. Und wenn man müde nicht mehr redet und dann sich aber am Abend im Schlafzimmer begegnet, dann gibt es meistens Streit. Der Streit, der ging dann ungefähr so.

Aber ich habe gestern die ganze Wohnung und du hast am Nachmittag gar nichts.
Aber ich habe diese Auftragsarbeiten immer und damit das Geld und du immer nur an deinem Roman, in die Tiefe gehend und selber suchend und wunderbar, aber eben kein Geld mit tiefen Gedanken.
Aber ich habe gedacht, dass wir das so machen, dass jede und jeder seine Kunst.
Aber ich habe gedacht, das darf ich auch, aber ich muss ja Geld für Kinder und Essen und dann an meinem Halbtag auch noch die Wäsche waschen.
Aber ich habe dir Wäsche gewaschen.
Aber ich habe die Kinder auf die Welt gebracht.
Aber ich stehe jetzt, nachdem die aus dir heraus gekommen sind, jeden Morgen um sechs mit ihnen auf.
Aber ich habe sie neun Monate herumgetragen und auch das herauskommen war so anstrengend wie ein Leben lang um sechs Uhr aufstehen.
Aber ich kann nichts dafür, dass ich keine Kinder gebären kann.
Aber du könntest wenigstens das Klo putzen.

Und bevor wir dann beim, „Aber du wolltest ja Kinder“ waren. Sind wir eingeschlafen, weil wir müde waren, und wir haben die Fehlüberlegung korrigiert. Wir schreiben beide weniger, dafür trinken wir Kaffee am Morgen und das eine Kind ist dabei ein Tiger, dem anderen küssen wir den Bauch.

Jetzt kommt schon …

… das erste Problem, das genau mit dem zusammenhängt, worum es bei euch geht. Eigentlich wollte ich über den Ausdruck „Bei ihr kommt die Arbeit an erster und die Familie an zweiter Stelle“ schreiben, der mich traurig machen kann. Als würde ich als arbeitende Mutter mich entscheiden müssen, ob ich Mutter sein will oder Schriftstellerin. Als wären diese beiden Positionen im Leben ein derartiger Widerspruch, dass, wenn man das eine gerade lebt, das andere nicht mehr existiert, als würde das eine das andere ausschließen. Darüber wollte ich schreiben, dass mich dieser gesellschaftliche Ausschluss der Kunst innerhalb einer Mutterschaft und umgekehrt so verunsichert, dass ich sowohl an mir als Mutter als auch an mir als Schriftstellerin zweifle. Und ich wollte schreiben, wie wütend mich das macht, denn es ist meine Energie, die ich aufbringen muss, die ich vergeude, für etwas, das in unser aller Köpfe nicht mehr so getragen werden soll.
Ich habe aber die Winterferien vergessen, die es bei uns nun gibt und die bedeuten, das ältere Kind ist nicht in der Schule, und somit müssen wir uns ein bisschen neu aufteilen. Heinz fährt nach Bremen, um zu unterrichten, und ich schreibe normalerweise dann, wenn die kleine Tochter schläft, nun fahre ich aber weg mit den beiden Kindern, damit die ältere Skifahren kann, und dort könnte ich dann erst schreiben, wenn beide im Bett sind, und dann bin ich aber wohl auch sehr müde.
So ist es mit den Kindern.