Hatte deine Mutterschaft einen inhaltlichen Einfluss auf dein Buch?
Bevor ich Kinder hatte, habe ich mich oft gefragt, ob ich Elternschaft und Kinder in meinen Texten „richtig“ beschreiben kann. Schneckenkönigin habe ich begonnen bevor ich Kinder hatte und mit kleinen Kindern fertiggestellt. Im Lektorat gab es an manchen Stellen Diskussionen, ob Kinder so etwas (schon) sagen – da konnte ich aus meinen realen Erfahrungen heraus gut argumentieren. Außerdem sind mir im Überarbeiten kleine Fehler aufgefallen (kann ein Kind in diesem Alter schon springen?); manchmal habe ich mich dann dazu entschieden, das zu behalten.
Gibst du das Buch deinen Kindern oder deinen Eltern zu lesen?
Meine Eltern fragen danach und lesen meine Bücher gern. Meine Kinder können noch nicht lesen, aber bei der Auswahl des Covers habe ich mit einem meiner Kinder diskutiert, welches es ansprechend findet – wir haben dabei auch über das Buch gesprochen. Mein Kind fand ein anderes Cover schöner und wünscht sich nun ein Kinderbuch mit diesem. Dass ein Cover mit Nervenbahnen in Rosa und Rot aber für den Kinderbuchmarkt wohl schwierig wäre, ist wieder eine andere Geschichte.
Was hältst du davon, das Entstehen eines Buches mit dem Heranwachsen eines Babys zu vergleichen und sein Erscheinen mit der Geburt? Ist dieser Vergleich für dich stimmig?
Für mich ist dieser Vergleich nicht stimmig und es hat mich oft auch wütend gemacht, das zu lesen, vor allem weil es so klingt, als wäre mit der Geburt alles geschafft. Das verrät vielleicht etwas darüber, wie herausfordernd für mich persönlich die ersten Monate und in mancher Hinsicht auch Jahre mit Kindern waren. Für mich ist das Schreiben und der Veröffentlichungsprozess, trotz Anstrengungen, einfach einer, der Selbstbestimmung, Pausen und Rückzug ermöglicht.
Welches Stipendium würdest du auch mit Kind nicht ablehnen?
Bei Aufenthaltsstipendien bräuchte ich kürzere Phasen – ein bis zwei Wochen, gern auch mehrmals – und die Flexibilität, Kinder und Partner mitzubringen. Ich finde es wichtig, dass Autor*innen auch die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu Aufenthalten mitzubringen – damit ihre Arbeit nicht im Verborgenen oder getrennt vom Alltag stattfindet. Das heißt aber wiederum nicht, dass Autor*innen ihre Kinder immer mitbringen müssen – denn der gewohnte Alltag für die Kinder und die Möglichkeit zum Rückzug für die Erwachsenen ist bestimmt in vielen Konstellationen und Arbeitsphasen ebenso wichtig.
Sabine Schönfellners zweiter Roman Schneckenkönigin ist im August 2025 im Literaturverlag Droschl erschienen.
