Hatte deine Vaterschaft einen inhaltlichen Einfluss auf dein Buch? Welchen?
Clemens Böckmann: In seinem letzten Interview wurde Roberto Bolaño zum Thema Exil befragt. Ob er nach so vielen Jahren noch eine Heimat habe, wollte die Journalistin vom Playboy wissen. Er sagte, sein Vaterland seien seine Kinder. In all dem Rückzug ins Private, den das auch hat, gefällt mir die Aussage dennoch. Und traurigerweise wird die Frage des Exils wohl immer relevanter.
Wenn dich vor der Kita oder vor der Schule ein anderes Elternteil fragt, worum es in deinem neuen Buch geht – wie würdest du es beschreiben?
Clemens Böckmann: Es ist eine Einladung zum Spiel. Und so wie auch jedes kindliche Spiel einen bitteren Ernst hat, ja sogar die Neigung, in Gewalt zu kippen, so ist es auch mit dieser Geschichte. Es ist die Suche nach dem Dichter und Skispringer Alvaro Maderholz, der seine Existenz erst noch beweisen muss. Auf diesem Weg wird er verfolgt von seiner Familiengeschichte. Und die ist nicht unbedingt einfach. Sein Großvater war Zahlmeister im Vernichtungslager Kulmhof, sein Onkel protofaschistischer Dichter im Chile der Pinochet Diktatur. Alvaro dichtet gegen die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dasselbe versuchen die unterschiedlichen Erzähler meines Romans.
Von welchem*r Autor*in würdest du gerne einen Beitrag auf other-writers.de lesen?
Clemens Böckmann: Ich lese gerade – etwas verspätet – Lucia Berlins Kurzgeschichten. Auf einer bemerkenswerte Art und Weise haben die Geschichten keine Zeit. Auch wenn sie immer wieder über einzelne Objekte situiert werden, haben ihre Erzählungen, in aller Schwere, etwas Schwebendes. Gleichzeitig bricht sie kontinuierlich eine Lanze für die Fiktion. Daher würde ich mich sehr freuen einen Beitrag von ihr, die ihre vier Kinder fast allein aufgezogen hat, bei den other writers zu finden – auch wenn sie mittlerweile mehr als zwanzig Jahre verstorben ist.
Clemens Böckmanns Roman Das richtige Leben des Alvaro Maderholz erschien im August 2026 bei Matthes & Seitz.
