Ich will …

1. weniger gestresst sein
2. mehr schreiben
3. den Kindern ausgeglichen begegnen
4. weiter so viel verdienen, dass unser 50/50-Modell funktioniert
5. den Kindern helfen, selbstständige, selbstbewusste und kritische Menschen zu werden
6. mehr lesen
7. politisch sein
8. viel schlafen und essen
9. mich mehr bewegen
10. alles dafür tun, dass meine Kinder nicht-sexistische und nicht-rassistische Männer werden
11. das Leben genießen
12. intelligent sein
13. dass mein Rasen grüner ist als der der Nachbarn
14. mich und meine Texte nicht so oft mit anderen vergleichen
15. den Vater meiner Kinder weiter lieben, möglichst für immer
16. Bewertungen von außen und Kritik weniger an mich herankommen lassen
17. gut aussehen
18. eine gute Freundin sein

Winkelkinder

was ist das Eigene am gerundeten Kind, der finnische Tango
grüßt im Hintergrund mit süßer Schwere, die Hand knickt
im Schlaf ab, leicht geöffnete Finger, der Mund sowieso
ob mein oder dein Winkel, Widerhall auf jeden Fall

—–

schon lange nicht mehr essen, was auf … warten nicht, bis …
aber es soll doch, gepflegter Tausch aus, Anschauen, klirr
zappeln die Kinderhände, sprechen wir zu Sternen
oder teilen Mundverbot aus. Unser tägliches Brot …

—–

spielen wir mehr, Mensch, nicht ärgern, grün, rot
angezählt, ausgezählt, unser Schicksal kippt voran
quadratisch, rund, Kind, lass mich in deiner Bahn
ich leg ja das Handy weg, Würfel schenk uns Ruh‘

Spielkreis

Ein Kreis nackter Babys in einem warmen Raum. Weil gerade Winter ist, bin ich mit den T-Shirts aus der Übung. Hätte lieber etwas anderes an. Aber es geht sowieso nicht um mich, sondern um mein Baby, das fünf Monate alt ist und heute unruhig. Wir hatten eine schwierige PEKiP-Stunde, sind gemeinsam aus dem Gleichgewicht geraten. Ich weiß nicht, wer von uns beiden zuerst nervös wurde. Schon die Kursanfangszeit passte heute nicht. Das Baby war weder satt noch ausgeschlafen, als wir überstürzt aufbrachen. Aber ich nehme den Kurs ernst, alle sieben Mütter und ein Vater buchen Kurs um Kurs, bis ihre gleichaltrigen Babys fast ein Jahr alt sind. Acht Monate altersgerechte Spielanregungen, Babys, die sich ohne Windeln besser bewegen können, Eltern, die ständig Pfützen aufwischen. Ein paar der Spielzeuge gefallen auch meinem Baby. Oft gehen meine Blicke zu den anderen Müttern und ihren Babys und ich frage mich, welchen tollen Job die Mutter des Babys hat, das mit seinem Vater da ist. Ich habe keine Arbeit. Letzte Woche kam wieder eine Absage auf eine Bewerbung für ein Promotionsstipendium. Nach meinem Beruf gefragt, lasse ich einige „Eigentlichs“ und „Vielleichts“ fallen, versuche souverän zu klingen. Mein sonst in den Augen der Kursleitern fast zu entspanntes Baby weint heute so viel, dass ich die meiste Zeit mit ihm am Rand sitze. Auf die Frage, was los ist, zucke ich nur die Achseln, „schlechter Tag“. Am Ende, beim Anziehen, schreit mein Baby mit hochrotem Kopf und ich schwitze. In diesem Moment merke ich, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Ich kann kaum reagieren, nicht richtig denken, mich zu keiner Handlung entschließen, bin äußerlich wie eingefroren und innerlich voller Panik.

Kompromisse. Ein fiktives Interview

Wie sieht deine Konstellation als Autorin und Mutter aus?

Ich habe zwei Kinder, 10 und 6 Jahre alt, und bin seit ca. 12 Jahren nebenberuflich Autorin.

Was heißt “nebenberuflich”?

Viele Autorinnen müssen zusätzlich Geld verdienen, aus angrenzenden Tätigkeiten oder literaturfremden. Für mich war es nach ein paar Jahren im wissenschaftlichen Prekariat wichtig, ein festes Einkommen zu haben und meinen Leistungen und meiner Ausbildung entsprechend bezahlt zu werden. Ich arbeite als Redakteurin und Konzepterin in einer Design/Digital-Agentur. Nie habe ich für mich die Möglichkeit gesehen, primär zu schreiben, immer gab es erst etwas anderes, das wissenschaftliche Studium, die Doktorarbeit, den Beruf. Gleichzeitig merke ich, wie die Uhr tickt, weil mein eigentlicher (heimlicher) Berufswunsch schon als Kind der der Autorin war.

Das klingt konfliktreich, oder?

Es ist sowieso schwierig, Arbeit und Familie zu vereinen, wenn dann noch ein Nebenberuf hinzukommt, wird es nicht leichter. Aber für mich ist es so, zumindest im Moment, der beste oder einzig mögliche Kompromiss.