Hatte deine Mutterschaft einen inhaltlichen Einfluss auf dein Buch? Welchen?
Slata Roschal: Ich habe das Glück, nicht alleinerziehend zu sein, bin mir aber bewusst, dass ich all die Reisen, Lesungen, Residenzstipendien usw. nicht allein bewerkstelligen könnte. Das heißt, der Großteil meines Einkommens hängt daran, dass jemand anderes mein Kind betreut. Ich denke oft darüber nach, wie mein Leben als Alleinerziehende verlaufen wäre, wenn ich wirklich nur während der Schulzeiten arbeiten könnte, das wäre ziemlich krass. Lea, die Hauptfigur im Buch, versucht auszurechnen, wie viele Arbeitstage ihr abseits von Ferien und Krankheiten bleiben, es ist so ein absurder Teufelskreis, glaube ich, in den vor allem Mütter oft unverschuldet hineingeraten. Also ein riesiges soziales Risiko auf allen Ebenen, da geht es gar nicht mehr um Leistung oder Ambitionen, das Elternsein wird weder als Arbeit akzeptiert noch entlohnt, zugleich muss man sich Kinderbetreuung finanziell leisten können, um zu arbeiten.
Hast du das Erscheinen des Buches gefeiert? Wenn ja, wie?
Slata Roschal: Ich tue mich schwer mit Feiern, weil nach jedem Erfolg die Frage ist, was danach kommt, finanziell vor allem. Ein Buch gilt ja eigentlich nur dann als erfolgreich, wenn es nominiert wird, Preise bekommt oder in eine Bestsellerliste aufsteigt, das kann man kaum beeinflussen als Autor. Ich habe jetzt viele Bewerbungen auf Stellen verschickt, die teils gar nichts mit dem zu tun haben, was ich gut kann oder machen will. Momentan gibt es nicht wirklich was zu feiern, aber mir ist natürlich enorm wichtig, dass das Buch erschienen ist, ein langer Prozess ist zum Abschluss gekommen und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.
Stehst du wegen der vermehrter Schreibzeit oder nun kommender Lesungen in der Schuld anderer Familienmitglieder?
Slata Roschal: Ich war die letzten eineinhalb Jahre ununterbrochen bei Residenzstipendien unterwegs, um das Schreiben am Buch zu finanzieren, teils waren es mehrere Stipendien parallel, Lüneburg, Schöppingen, Graz, Salzburg, Prag. Das war schon heftig, also die ganze Zeit, die man in Zügen verbringt, alles koordinieren und aushandeln muss. Es ging halt nicht anders, aber ein bisschen mehr Zuhause wäre jetzt in den kommenden Monaten gut.
Slata Roschals dritter Roman Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet erschien im Juli 2026 bei Ullstein/claasen.
